Von den insgesamt 18 Bäumen werden nach jetzigem Stand wohl lediglich sechs einer konkreten Prüfung zur Fällung unterzogen werden müssen. Der Grund: Ihr starkes Wurzelwerk hat das Pflaster derart angehoben, dass akute Unfallgefahr besteht und die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Zudem kann an einigen Stellen das Regenwasser nicht mehr ordnungsgemäß ablaufen, sodass Schäden durch eindringendes Wasser an den angrenzenden Häusern drohen. Die sechs betroffenen Bäume fallen im Übrigen nicht unter die städtische Baumschutzsatzung, da diese weniger als vier Meter von der Häuserwand eines Gebäudes entfernt stehen.
Gefahrenbereich wird kenntlich gemacht
Bis auf Weiteres wird der Gefahrenbereich in der Trogemannstraße durch Markierungen kenntlich gemacht. Zudem weisen Warnschilder auf mögliche Stolper- und Sturzfallen hin.
Bürgermeister Thomas Terhorst betont die Bedeutung des gemeinsamen Lösungswegs: „Gemeinsam mit unserer Technischen Dezernentin Andrea Baudek war ich vergangenen Freitag zum Ende der Demo vor Ort, um unter anderem mit den Baumschützern ins Gespräch zu kommen. Die Anregungen und Besorgnisse haben wir selbstverständlich ernst genommen. So wird der Austausch bereits kurzfristig erste Früchte tragen.“
Sachverständiger wird hinzugezogen
Im Zusammenhang mit der geplanten Umgestaltung und dem bis dahin angestrebten Erhalt der verbleibenden Bäume holt die Stadt Marl einen renommierten Sachverständigen ins Boot, der bei allen Beteiligten hohe Anerkennung genießt. Zudem kündigte Terhorst an die Gruppe der Baumschützer nach den Sommerferien ins Stadthaus einzuladen, um in einem sachlichen Austausch, die Hintergründe der zu prüfenden Baumfällungen zu erläutern.
Wochenmarkt an einem Standort
Im Rahmen der Überlegungen wird auch geprüft, den Wochenmarkt am Dienstag und Freitag künftig komplett auf den Marktplatz zu verlegen, um die Trogemannstraße frei zu halten.
Brutzeit im Herbst abwarten
Die Fällung der lediglich sechs betroffenen Bäume wäre nach Ende der Brutzeit für den Herbst geplant. Diese Maßnahme dient auch als Vorbereitung für eine umfassende Neugestaltung der Trogemannstraße, bei der die jetzigen Amberbäume gefällt und durch neue zukunftsfähige Bäume ersetzt würden. Nach derzeitiger Planung soll diese im Jahr 2028 – im Anschluss an die Fertigstellung der Hülsstraße – beginnen.
Viel Arbeit beim Baumschnitt
Die Amberbäume wurden Anfang der 1990er-Jahre gepflanzt. Aus heutiger Sicht gilt die Baumart für solch einen Standort nach wie vor als als ungeeignet. Die Bäume können eine Höhe von bis zu 30 Metern erreichen, verfügen in der Trogemannstraße jedoch nur über sehr kleine Baumscheiben und einen stark begrenzten Wurzelraum. Teilweise beträgt der Abstand zu den Gebäudefassaden lediglich rund 2,5 Meter. Dadurch müssen die Kronen regelmäßig zurückgeschnitten werden, um Schäden an Gebäuden zu vermeiden. Gleichzeitig führen die Wurzeln seit Jahren zu erheblichen Anhebungen des Pflasters.
Zahlreiche Gefährdungen
„Die Bäume wurden damals unter Rahmenbedingungen gepflanzt, die wir heute nicht mehr als zukunftsfähig bewerten“, erklärte die Technische Dezernentin Andrea Baudek. „Sie haben zu wenig Wurzelraum, stehen in unmittelbarer Nähe zu Leitungen und Gebäuden und verursachen zunehmend Schäden im öffentlichen Verkehrsraum.“
Hohe Anforderungen an die Verkehrssicherheit
Wie die Verwaltung weiter mitteilt, gelten besonders in einer Fußgängerzone hohe Anforderungen an die Verkehrssicherheit. „Bereits geringe Höhenunterschiede im Pflaster können dort zu Stolperstellen werden und sind nicht rechtskonform“, betonte Ingenieur Andreas Wiethoff vom Zentralen Betriebshof.
Felsenbirne statt Amberbäume
Mit der geplanten Neugestaltung der Trogemannstraße entstehen deutlich größere Baumstandorte mit ausreichend durchwurzelbarem Raum und einem speziell vorbereiteten Untergrund. Die Stadt will klimaresiliente und dauerhaft vitale Bäume pflanzen, die den Standortanforderungen gerecht werden und langfristig das Bild der begrünten Einkaufsstraße prägen. Dazu zählen heimische oder besonders geeignete Stadtbäume wie Feldahorn, Felsenbirne oder Kornelkirsche. Diese bleiben deutlich kleiner als Amberbäume, bieten heimischen Insekten und Bestäubern einen höheren ökologischen Nutzen und lassen sich dauerhaft besser in den Straßenraum integrieren.
“Charakter erhalten”
„Wir wollen mit den geplanten Ersatzpflanzungen den grünen Charakter der Trogemannstraße ausdrücklich erhalten“, betonte Andrea Baudek. „Hier soll künftig eine attraktive, schattenspendende und klimaangepasste Verbindung zwischen Marktplatz und Fußgängerzone geschaffen werden mit Bäumen, die an diesem Standort dauerhaft wachsen können.“