Marl will mehr Tempo für die Mobilitätswende – das wurde am Donnerstag im Stadtplanungsausschuss deutlich. Die Politik hat einen neuen Schritt für einen strukturierten Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur gemacht. Die Beschlussvorlage der Verwaltung fand eine breite Mehrheit. Wenn der Stadtrat am 30. April zustimmt, steht dem Ausbau der Ladeinfrastruktur in Marl nichts mehr im Wege.
Weichen werden neu gestellt
Die Stadtverwaltung soll das Vorhaben künftig gemeinsam mit der Kanzlei Wolter Hoppenberg aus Münster auf öffentlichen Flächen in Marl umsetzen. „Wir können jetzt die Weichen für ein neues, systematisches Vorgehen beim Ausbau von öffentlichen Ladepunkten stellen“, sagt Bürgermeister Thomas Terhorst.
Hintergrund ist ein Problem, das die Stadt seit längerem beschäftigt: Zwar hatte der Rat bereits im Mai 2023 mit großer Mehrheit die Erarbeitung eines Ladeinfrastrukturkonzepts auf den Weg gebracht, das ein Jahr später auch beschlossen wurde. Bei der späteren verwaltungsinternen Prüfung zeigte sich jedoch, dass von insgesamt 13 vorgesehenen Standorten am Ende nur fünf tatsächlich umsetzbar gewesen wären.
Rechtliche Fragen und Finanzierung
Genau an diesem Punkt setzt das neue Vorgehen an. In einer neu eingerichteten Arbeitsgruppe „Versorgungsinfrastruktur“ wurde Ende Februar ein Grobkonzept vorgestellt, das den Ausbau der Ladeinfrastruktur umfassender und praxisnäher organisieren soll. Der Ansatz reicht von der Bedarfsanalyse und Standortplanung über rechtliche Fragen und Finanzierung bis hin zu technischer Umsetzung, digitaler Integration, Öffentlichkeitsbeteiligung sowie Monitoring und Optimierung.
„Nach unserer Einschätzung ist der Ausbau im öffentlichen Raum eine komplexe Aufgabe, die mehrere Fachbereiche der Verwaltung betrifft und nur koordiniert umgesetzt werden kann“, betont Wirtschaftsförderer Dr. Manfred Gehrke. Das nun vorgelegte Konzept soll deshalb nicht nur neue Standorte ermöglichen, sondern die öffentliche Ladeinfrastruktur auch stärker an der tatsächlichen und künftigen Nutzung im Stadtgebiet ausrichten.
Nächste Umsetzungsschritte
Martin Brück von Oertzen von der Kanzlei Wolter Hoppenberg erläuterte im Ausschuss, dass der Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur nur dann tragfähig sei, wenn Bedarf, Standortplanung, Netzkapazitäten und Finanzierung von Anfang an zusammengedacht würden. „Der richtige Standort ergibt sich nicht aus dem Zufall, sondern aus Daten, Bedarfen, Netzkapazitäten und rechtlichen Rahmenbedingungen. Genau dafür ist ein strukturierter Prozess notwendig.“
Nun geht es darum, die nächsten Umsetzungsschritte und geeigneten Standorte im weiteren Verfahren zu konkretisieren. „Die Standorte werden dort entstehen, wo Bedarf, Umsetzbarkeit und städtischer Nutzen am besten zusammenkommen“, erklärt Bürgermeister Thomas Terhorst. „Als Stadt ist es uns wichtig, jetzt nicht Symbolpolitik zu betreiben, sondern einen belastbaren Ausbau zu starten, der für Marl langfristig funktioniert.“