Marl feiert 90 Jahre Stadtgeschichte

Mit einem Festakt in der Aula der Scharounschule hat die Stadt Marl an ihre Stadtwerdung vor 90 Jahren erinnert. 240 geladene Gäste aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft kamen am Mittwochabend zusammen, um die Entwicklung Marls von den Anfängen der Stadtwerdung über den industriellen Aufstieg bis in die Gegenwart zu würdigen.

"Marl baut an seiner Zukunft“

Bürgermeister Thomas Terhorst stellte in seinem Grußwort die historische Entwicklung Marls ebenso in den Mittelpunkt wie die Zukunftsperspektiven der Stadt. „Marl ruht sich nicht auf seiner Geschichte aus. Marl baut an seiner Zukunft“, sagte Terhorst. Der Bürgermeister verwies auf wichtige Projekte wie gate.ruhr oder weitere Entwicklungsperspektiven, etwa im Bereich des Industrieparks Schwatter Jans. Zugleich betonte er die wichtige Rolle der Bürgerinnen und Bürger: „Es sind die Marlerinnen und Marler, die diese Stadt getragen, geprägt und immer wieder vorangebracht haben. Danke an alle, die Verantwortung übernehmen – oft leise, oft selbstverständlich, aber immer mit großer Wirkung. Ohne dieses bürgerschaftliche Engagement wäre Marl nicht das, was es heute ist.“

Industrielle Entwicklung

Der Bürgermeister erinnerte daran, dass die Verleihung der Stadtrechte am 20. April 1936 eng mit der industriellen Entwicklung Marls verbunden war. Bergbau und Chemie hätten Wachstum, Zuzug und wirtschaftliche Perspektiven geschaffen. Gleichzeitig gehöre auch die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus, mit Verfolgung, Zwangsarbeit und Krieg zur Stadtgeschichte. Nach 1945 habe Marl dann einen demokratischen Neuanfang vollzogen und sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem bedeutenden Industriestandort, zu einer Kulturstadt und zu einem Ort moderner Architektur entwickelt.

Landrat Bodo Klimpel würdigte Marl als prägende Kraft im Kreis Recklinghausen und im nördlichen Ruhrgebiet. „Marl ist nicht einfach eine von zehn Städten im Kreis. Marl ist ein zentraler Motor und prägender Bestandteil unserer gemeinsamen Identität“, so Klimpel. Marl stünde wie kaum eine andere Stadt für den Wandel im nördlichen Ruhrgebiet. Vom Bergbau geprägt, habe sich Marl zu einem der bedeutendsten Industriestandorte in NRW entwickelt. Klimpel: „Doch Marl ist mehr als Wirtschaft und Industrie. Es ist auch eine Stadt mit einer engagierten Bürgerschaft, mit kultureller Vielfalt und mit Menschen, die ihre Stadt mit Herzblut gestalten.“

Historischer Vortrag

Im Mittelpunkt des Festakts stand der historische Vortrag von Dr. Hans Hanke zum Thema „Stadtwerdung im Ruhrgebiet – Stadtwerdung in Marl“, den er gemeinsam mit dem Journalisten und Historiker Gert Eiben erarbeitet hatte. Anhand einer begleitenden Bildpräsentation zeichnete der Historiker und Denkmalpfleger die Entwicklung Marls nach und ordnete sie in die Geschichte der Stadtwerdung im Ruhrgebiet ein. Die Präsentation spannte den Bogen von frühen historischen Spuren über die Stadtwerdung 1936 und die demokratische Erneuerung nach 1945 bis in die Gegenwart. 

Dabei machte der Vortrag auch deutlich, dass Stadtgeschichte nicht losgelöst von den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen ihrer Zeit betrachtet werden kann. So erinnert die Präsentation ausdrücklich auch an die Verbrechen der NS-Zeit und an das Schicksal von Verfolgten und Zwangsarbeitern in Marl.

Roll-Up-Ausstellung und Sonderbriefmarke

Im Anschluss an das offizielle Programm lud die Stadt zu einem Empfang im Foyer der Schule ein. Dort bestand bei einem kleinen Imbiss Gelegenheit zum Austausch. Begleitend wurden zudem zwei Ausstellungen gezeigt: „90 Jahre Stadt Marl“ als Zeitreise durch die Stadtgeschichte sowie eine Ausstellung des Briefmarkensammlervereins mit historischen Postkarten aus verschiedenen Jahrzehnten. Die Sonderbriefmarke zum Jubiläum, die von der Stadt herausgegeben und vom Stadtmarketing angeboten wird, war ebenfalls im Foyer erhältlich. Ab der kommenden Woche wird sie in kleiner Stückzahl auch im i-Punkt erhältlich sein.

Die Roll-Up-Ausstellung „90 Jahre Stadt Marl“ steht außerdem auch Schulen, Einrichtungen und weiteren interessierten Institutionen zur Ausleihe zur Verfügung. Den Auftakt macht in der kommenden Woche das Albert-Schweitzer-/Geschwister-Scholl-Gymnasium. Für den Spätsommer ist zudem bereits ein Termin im insel-Forum im Riegelhaus vorgemerkt. Geeignete Einrichtungen wie Kirchen, Moscheen, Vereine oder soziale Träger, die ebenfalls Interesse an der Ausstellung haben, können sich beim Stadtmarketing (Tel. 99-2207) melden.

Musikalische Gestaltung

Für die musikalische Gestaltung sorgten gleich mehrere Ensembles. Zur Eröffnung spielte ein Blockflötenquartett mit Carina Heuver, Kea Kühnhenrich, Lorenz Rix und Patricia Schuster das „Grave/Allegro“ aus dem Concerto F-Dur für vier Altblockflöten von Georg Philipp Telemann. Außerdem erklang „La Paix“ aus der Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel. Den Schlusspunkt setzten Rudi Rautenberg, Niklas Becker, Stefan Rennefeld und Markus Heck als Gitarrenquartett gemeinsam mit Bernd Gremm an der Percussion.

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Bürgermeister Thomas Terhorst erinnert gemeinsam mit 240 Gästen an die Stadtwerdung Marls.

Landrat Bodo Klimpel würdigte Marl als prägende Kraft im Kreis Recklinghausen und im nördlichen Ruhrgebiet.

Im Mittelpunkt des Festakts stand der historische Vortrag von Dr. Hans Hanke (re.) zum Thema „Stadtwerdung im Ruhrgebiet – Stadtwerdung in Marl“, den er gemeinsam mit dem Journalisten und Historiker Gert Eiben (li.) erarbeitet hatte. Bürgermeister Thomas Terhorst dankte beiden für ihr großartiges Engagement.

Den musikalischen Schlusspunkt setzten Rudi Rautenberg, Niklas Becker, Stefan Rennefeld und Markus Heck als Gitarrenquartett gemeinsam mit Bernd Gremm an der Percussion.

Die Sonderbriefmarke ist in kleiner Stückzahl auch im i-Punkt erhältlich. Fotos: Stadt Marl / Pressestelle