Marler Debüt am 29. November im Theater

Marler Debüt 2025 setzt auf Ensemblekunst – und entdeckt vergessene Schätze / Kammermusikkonzert am 29. November 2025 im Theater Marl / Karten im i-Punkt.

Kammermusik im Ensemble spielen, das ist gelebte Demokratie im Kleinen: Mehrere gleichberechtigte Stimmen, die sich ohne einen Dirigenten verständigen müssen, die einander zuhören, aufeinander reagieren und gemeinsam atmen. Da ist die hohe Schule der Kommunikation im Spiel – und genau das demonstriert die kommende Ausgabe des Marler Debüts am 29. November mit zwei herausragenden Besetzungen, die beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ höchste Punktzahlen erreichten.

Klarinette, Violine, Violincello und Klavier

Die pädagogische Dimension von Kammermusik reicht weit über den Erwerb technischer Fertigkeiten hinaus: Im Kammerensemble lernen junge Musikerinnen und Musiker, was Verantwortung bedeutet. Jede Stimme ist unverzichtbar, jeder Einsatz zählt, jede Entscheidung will ausgehandelt werden. Dafür ist eine gute persönliche Chemie im Team einfach unabdingbar: „Wer monatelang für einen Wettbewerb gemeinsam probt, muss sich auch privat verstehen", betont die künstlerische Leiterin Evelyn Fürst-Heck, die ihre Auswahl für das Marler Debüt beim diesjährigen Bundeswettbewerb in Wuppertal traf. Aus der Fülle an durchweg hervorragenden Leistungen stachen zwei Formationen nochmal deutlich heraus – und die musizieren am 29. November im Theater Marl auf Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier.

Warme Klangwelten und intime Dialoge


Das jüngere der beiden Ensembles mit Fiona Sakura Heisler, Theo Hölscher, Simeon und Ruvim Arestov eröffnet den Abend mit zwei Werken, die zum anspruchsvollsten Repertoire gehören: Walter Rabls Quartett Es-Dur op. 1 von 1896 und Paul Hindemiths Quartett von 1938 sind, wie die künstlerische Leiterin betont, „richtig schwere Musik". Das lyrische, manchmal an Brahms erinnernde Stück entfaltet warme Klangwelten und intime Dialoge zwischen den Instrumenten. Paul Hindemiths anspruchsvolles Quartett, entstand 1938 während seiner Emigration aus Nazideutschland, wartet mit einer modernen Harmonik und Tonsprache aus, zu der viele geschichtete Quarten und Quinten und auch strenge kontrapunktische Logik gehört. Das erfordert höchste Präzision von den jungen Musikerinnen und Musikern.

Jugendliche Energie und kompositorische Meisterschaft


Nach der Pause tritt ein Trio auf, bei dem wiederum eine familiäre Verbindung zum ersten Ensemble des Abends besteht: Der Pianist Kolja Hölscher ist der Bruder von Theo Hölscher, der in der ersten Besetzung dieses Debüts mitspielt. Zum Trio gehören außerdem die Violinistin Letizia Claudi und der Cellist Benedikt Victor David Maria Dan. Die drei haben sich für das Finale des Abends Johannes Brahms Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8 vorgenommen, ein frühreifes Jugendwerk aus dem Jahr 1854, das der Komponist 1889 radikal überarbeitete. Gesetzt in der ungewöhnlichen Tonart H-Dur sind allein die vielen Vorzeichen in den Noten ein Abenteuer für sich. Musikalisch verbindet das Werk viel jugendliche Energie mit höchster kompositorischer Meisterschaft.

Erfolgreiche Jungmusiker auf dem Weg zum Profi


Die Biografien der jungen Musikerinnen und Musiker im Alter zwischen 13 und 17 Jahren stehen schon jetzt für angehende Profi-Liga: Fiona Heisler ist Jungstudierende in Stuttgart, Letizia Claudi Konzertmeisterin im Landes- und Bundesjugendorchester, Benedikt Dan studiert bei Jean-Guihen Queyras in Freiburg und spielt auf historischen Instrumenten der Deutschen Stiftung Musikleben, Theo Hölscher sammelte Wettbewerbserfolge in ganz Europa.

Große Freude an der Musik


Die Entscheidung für einen Auftritt beim Marler Debüt hat nicht allein mit musikalischer Exzellenz zu tun. Vor allem geht es um Ausstrahlung und die konnte Evelyn Fürst-Heck bei den Wettbewerbsvorspielen in Wuppertal hautnah spüren: „Bei diesen jungen Musikerinnen und Musikern kommt eine großartige Freude an der Musik rüber. Die haben einfach unglaublich Lust zu spielen."

Karten im i-Punkt erhältlich


Das „Marler Debüt" wird unterstützt von der Sparkasse Vest Recklinghausen, der Kluth-Stiftung, Engel-Stiftung, dem Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ und Geigenbau Bartsch aus Essen. Karten sind ab sofort erhältlich im i-Punkt im Einkaufscenter Marler Stern (montags bis freitags von 9.30 bis 18 Uhr und samstags von 9.30 bis 13 Uhr, Telefon: 0 23 65 / 99 43 10).


Marler Debüt Kammermusikkonzert 2025
Samstag, 29. November, 19 Uhr, Theater Marl
https://www.marl.de/marlerdebuet

Text: Stefan Pieper

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(V.l.n.r.) Letizia Claudi (Violine), Benedikt Dan (Violoncello) und Kolja Hölscher (Klavier).

Theo Hölscher.

Ruvim Arestov.

Fiona Sakura Heisler.

Simeon Arestov.

Die vier Solisten. Fotos: privat.