„Sich lohnende Arbeit ist eine Grundvoraussetzung für eine gerechte Gesellschaft. Wer jeden Tag aufsteht, wer Verantwortung übernimmt, wer seine Zeit, seine Kraft und oft auch seine Gesundheit in den Dienst seiner Arbeit stellt, der muss davon leben können“, sagte das Stadtoberhaupt in der Scharounschule und nahm damit das DGB-Thema des diesjährigen 1. Mai auf - „Erst unsere Jobs, dann eure Profite!“ Und Thomas Terhorst weiter: „Marl ist eine Stadt des Schaffens. Ob im Chemiepark, in der Logistik, im Handwerk oder im Dienstleistungssektor: Hier wissen die Menschen, was es heißt, morgens aufzustehen und anzupacken.“ So sei ein Arbeitsplatz weit mehr als eine Nummer im Rentenbescheid. Arbeitsplätze, so Terhorst, sind das Rückgrat unserer Stadt. Sie sichern Einkommen, sie schaffen Stabilität und sie geben Menschen das Gefühl, gebraucht zu werden. Arbeitsplätze sind aber noch mehr: Sie sind Orte der Begegnung, des Austauschs und oft auch des Zusammenhalts.
Marl als Wirtschaftsstandort
Auch Hauptredner Josef Hovenjürgen, Parlamentarischer Staatssekretär in der NRW-Landesregierung und Landtagsabgeordneter, richtete den Blick auf den Wirtschaftsstandort Marl, der für ihn noch einer der wichtigsten in Nordrhein-Westfalen ist, und die hier arbeitenden Menschen, allen voran im Chemiepark. Marl sei eine Stadt, in der die Gewerkschaften eine Heimat haben und in der die Mitbestimmung gelebt werde. „Eine Stadt, in der man noch weiß, was es heißt, wenn am Morgen die Schicht wechselt und am Abend die Kollegen gemeinsam nach Hause gehen“, so Hovenjürgen.
Preissteigerungen betreffen alle
Doch er machte auch klar, wer aktuell eine der finanziellen Hauptlasten in der Gesellschaft tragen muss und die Gründe dafür: „Wir erleben gerade, wie sehr die Stabilität unserer Energieversorgung von geopolitischen Entwicklungen abhängt. Die Preissteigerungen der vergangenen anderthalb Monate betreffen alle – aber sie treffen vor allem die hart, die jeden Morgen zur Arbeit fahren müssen, weil sie keine Alternative haben.“ Zudem erlebe Deutschland, wie verletzlich eine Volkswirtschaft ist, die so stark auf Energieimporte angewiesen ist wie unsere. Damit kam der Landtagsabgeordnete wieder auf die Chemie zurück. Denn Energie sei auch einer der wichtigsten Produktionsfaktoren in der chemischen Industrie. Energie sei dort kein Luxus, sondern wie das Lebenselixier der Produktion.
Energiekosten in den Griff bekommen
„Wer die Energiekosten nicht in den Griff bekommt, der gefährdet nicht nur einzelne Produktionsanlagen. Der gefährdet ganze Wertschöpfungsketten. Der gefährdet Ausbildungsplätze. Der gefährdet die Zukunft junger Menschen, die hier in Marl und in der Region ihren beruflichen Weg gehen wollen“, warnte der Landtagsabgeordnete, forderte aber auch: „Wer Zukunft möchte, der muss auch neue Arbeit zulassen.“ Für ihn hat Marl eine Zukunft, die erfolgreich sein könne, „Wir müssen nur daran gemeinsam arbeiten und uns alle Mühen geben, um den Weg geneinsam zu gehen.“ Ausdrücklich lobte Hovenjürgen in dem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, insbesondere der IGBCE.
Bildung ist ein Recht, kein Luxus
Thorsten Römer, Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes Marl, betonte in seinem Vortrag die Wichtigkeit der Betriebsratsarbeit, die für die Menschen getan werde. Und er betonte: „Bildung ist kein Luxus, sondern Recht, entscheidet die Bildung doch maßgeblich die Zukunft der jungen Menschen. Wer gebildete junge Menschen möchte, der muss investieren, nicht irgendwann, sondern jetzt.“ Schließlich sei Deutschland ein reiches Land – Bildungsgerechtigkeit endet nicht am Schultor, sondern geht in die Ausbildung über. Würde in Deutschland mehr ausgebildet, wäre auch der Fachkräftemangel obsolet. „Wir brauchen eine Ausbildungsoffensive“, so Römer eindringlich. Zudem verteidigte der DGB-Funktionär den Acht-Stunden-Tag: „Hände weg vom Acht-Stunden-Tag und Hände weg vom Arbeitszeitgesetz.“
Sozialstaat schafft Vertrauen
Verena Gärtner, IGBCE-Leiterin des Bezirkes Recklinghausen, sprach die jahrelangen Versäumnisse der Politik und des Managements an, die auch dazu beigetragen hätten, dass es zu wirtschaftlichen Problemen in Unternehmen gekommen ist. Sie sprach von einer vierstelligen Zahl an Arbeitsplätzen, die in den vergangenen Monaten in Marl verloren gegangen seien. „Die Beschäftigen sind nicht das Problem, sie sind die Lösung, gerade in der chemischen Industrie“, sagte sie. Dort seien hochqualifizierte Mitarbeitende, die auf faire Tarifverträge ein Recht haben. Ein starker Sozialstaat schaffe Vertrauen und Vertrauen sichere die Demokratie.
Marl wird um jeden Arbeitsplatz kämpfen
Am Ende betonte Thomas Terhorst noch einmal, dass Marl um jeden Standort ringen werde, mit Leidenschaft und Entschlossenheit: „Marl ist stark, weil seine Menschen nicht zaudern, sondern anpacken – weil sie mit Herz, Mut und Tatkraft ihre Stadt tragen. Und so wird Marl seinen Weg weitergehen – kraftvoll und im festen Schulterschluss mit all denen, die an diese Stadt glauben und sie Tag für Tag voranbringen – Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen.“